Kurze Geschichte des Kimono

Der Begriff Kimono setzt sich aus den Silben „ki“ und „mono“ (ki = anziehen, mono = Sache) zusammen und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gebräuchlich. Vorher war der Begriff „Kosode“ benutzt, was soviel wie „kleiner Ärmel“ bedeutet. Der Kosode des 16. Jahrhunderts wurden ursprünglich als Untergewand von Adligen getragen.

Edo Periode (1615 – 1868)
Während der Edo Periode entwickelte sich der Kosode zu einem expressiven Kleidungsstück, dass als Indikator für einen verfeinerten Geschmack stand und das Gefühl für Ästhetik des Trägers wiederspiegeln sollte. Einen regelrechen Wettstreit gab es zwischen den Frauen der wohlhabenden Händler, die sich gegenseitig mit ihrer Kleidung zu übertrumpfen versuchten.
Dies alles war möglich geworden, da in der Edo Zeit eine nicht gekannte politische Stabilität zu einem wirtschaftlichen Wachstum führte, von dem vor allem die Händlerschicht in den Städten profitierte. Durch das strenge Klassenreglement des Tokugawa Shogunats konnten diese ihren neu erworbenen Reichtum allerdings nicht zum sozialen Aufstieg nutzen. Stattdessen wurde u. a. in Kleidung investiert, was natürlich auch der Entwicklung der Textil-Industrie zugute kam.

Der verschwenderische und extravagante Umgang mit Kleidung duch die Händlerschicht führte immer wieder zu neuen Reglementierungen durch das Shogunat was Stoffe und Webungen anging. Dadurch entwickelte sich ein neues Gefühl für ein elegantes Understatement mit gedämpften Farben und neuen Stoffen, das als „iki“ bekannt wurde und bei dem größter Wert auf feinsinnige Details gelegt wurde. Außerdem gelang es immer wieder die stengen Regeln zu umgehen, indem z. B. die für Unterschichten verbotene Farbe Rot für Unterkleidung und Futter verwendet wurde, was nicht unter das Verbot fiel.

Meiji Periode (1868 – 1912)
Durch die erzwungenen Öffnung Japans und die Wiedereinsetzung des Kaisers 1868 kam es zu einem noch nie dagewesenen Umbruch in der japanischen Gesellschaft, der auch vor der Kleidung keinen Halt machte.
Um mit der militärischen Stärke und Wirtschaftskraft des Westens mithalten zu können, setzte die japanische Regierung auf eine Umstrukturierung des Landes nach westlichem Vorbild. Dies betraf nicht nur die Wirtschaft, sondern alle Bereiche des Lebens, darunter auch die Kleidung. Westliche Kleidung (jofuku) wurde vielfach mit „Fortschritt“, „Modernität“ und „Kultur“ gleichgesetzt, Männer begannen Anzüge zur Arbeit zu tragen, tauschten diese aber daheim gegen japanische Kleidung (wafuku). Für viele Frauen bedeutete die Adaptation westlicher Produktionstechniken durch die japanische Textilindustrie eine Möglichkeit, die nun erschwinglich gewordenen Seiden-Kimono zu erwerben.

Im Ausland führte die Öffnung Japans zu einem regelrechten Japan-Boom, so dass es in den 1870ern sogar möglich wude, Kimono im Ausland zu erwerben (z. B. Liberty in London).
Der Begriff Kimono wurde eingeführt, um die traditionelle, t-förmige japanische Kleidung von der westlichen abzugrenzen.

Taisho Periode (1912 – 1926)
Die Taisho Zeit war geprägt von Selbstvertrauen und Optimismus, der 1. Weltkrieg hatte den witschaftlichen Aufschwund gefördert, die Demokratiebewegung schritt voran. Die urbane Bevölkerung wuchs ständig, was durch den Ausbau des Schienennetzes und neu geschaffenen Arbeitsplätzen in Büros und Fabriken begünstigt wurde, so dass nun auch viele Frauen arbeiten gingen. In der freien Zeit besuchte man Cafes oder das Kino, Einkaufszentren luden jetzt zum bummeln ein.
Westliche Kleidung wurde vor allem bei Frauen immer populärer, wobei der Kimono auch weiterhin getragen wurde. Während der Grundschnitt des Kimono gleich blieb, änderte sich das Design. Muster wurden größer, neue Motive wurden eingeführt, der Einfluss von Art Nouveau und Art Deco wurde spürbar.

Begünstigt wurde dies auch vom technischen Fortschritt. So ergaben neue, chemische Färbemittel eine ganze Palette von brillanten, leuchtenden Farbtönen. Dieses neue, auffällige Erscheinungsbild reflektierten den Zeitgeist und präsentierte eine selbstbewußte und moderne Städterin.


Showa Periode (1926 – 1989) und Gegenwart
Nach dem 2. Weltkrieg wurde westliche Kleidung zum Standard in Japan. Die ältere Generation trug teilweise weiterhin Kimono, genau wie Vertreter der traditionellen japanischen Künste.
Geisha, No-Schauspieler, Anhänger der Teezeremonie oder auch Angestellte in traditionellen japanischen Restaurants bzw. Ryokan sehen im Kimono auch heute noch ihre Berufs- und teilweise auch Alltagskleidung.
Ansonsten gehört der Kimono heute zu formalen Ereignissen, wie z. B. der Hochzeit oder der Schulabschlussfeier, wobei viele Japaner/innen nicht wissen, wie ein Kimono korrekt getragen wird. Dazu tragen auch die relativ strikten Regeln des formalen Kitsuke („wie man einen Kimono trägt“) bei. Kimono-Schulen, Kimono-Verleiher, Kitsuke-Bücher und Ankleide-Dienste versuchen heute die Lücke im Kimono-Wissen bzw. den Mangel an einem eigenen Kimono auszugleichen.
Nicht zuletzt das Interesse vieler junger Japaner und Ausländer am Kimono, DEM Symbol traditioneller japanischer Kleidung (wafuku), hat in den letzten Jahren zu einem leichten Aufschwung beim Kimono-Verkauf geführt. Besonders im Sommer sind zahllose Yukata in den japanischen Kaufhäusern zu sehen, da sie leger und unkompliziert zu tragen sind und erheblich weniger kosten als ein Seiden-Kimono mit seinen vielen Accessoires.
So gehört der Kimono auch weiterhin zur Mode Japans, wenn auch in einer stark veränderten Rolle als noch vor 100 Jahren.

 

 

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Kimono-Sonntag, 20. Mai,
Teehaus Planten un Blomen, Hamburg.
Um 15, 16 & 17 Uhr:
Vortrag zum Theme "Kimono",
Dauer ca. 15 Minuten,
Referentin: Doro Schlüter (Spree Kingyo)

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